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Weihnachten 2018

“Ich steh an deiner Krippe her…”

… und … weiter? Leer ist sie! Ein eigenartiges, beinahe verstörendes Krippenbild, so ganz ohne das übliche, und uns seit Kindesbein vertraute „Beiwerk“, Maria, Josef, Engel, Hirten, Schafe, Ochs, Esel und dem leuchtenden Stern. Doch, mal Hand aufs Herz, ist dieses Bild tatsächlich so fremd?

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder,

unsere Erfahrungen weisen doch auch in diese Richtung: Leere, Einsamkeit, Verlassenheit, Einsamkeit, Trauer, Verlust, Resignation, Angst, Widerstand, Wut, Aggression, Ohnmacht und Aufgabe.

Wie viele Krippen sind in unserem Leben schon leer gewesen und wie unzählig mal wurden unseren Erwartungen schon bitter enttäuscht! Und dann betend im Verlust, der Leere und Trauer zu stehen und einen Gott anrufen, der mich jämmerlich im Stich gelassen hat? Leeres Stroh gedroschen, alles verloren und keine Menschseele bei mir – im wahrsten und grausamsten Sinne des Wortes: mutterseelenallein!

Wenn wir als Pfarrgemeinde auf das Jahr 2018 zurückschauen kommen sicher auch diese Gefühle hoch und haben sehr wohl auch die Kraft, unser Christsein, unsere Erfahrungen als Gemeinschaft um St. Bonifatius massiv zu stören, möglicherweise auch zu vergiften. Da bleibt dann die Krippe leere und der gemeinsame Weg wird mühsamer, beschwerlicher und dorniger – und wo ist er: unser Hirte?

Liebe Pfarrgemeinde,

das Licht in den Dornen – hat jedoch auch die Kraft, uns den Weg zu weisen. Die Freude der Weihnacht und der Schmerz des Todes gehören zusammen, sind sie doch die beiden Seiten, der einen Medaille. Gott wagt sich in seinem Sohn Mensch zu werden, er, so nennt es die Bibel, entäußert sich und geht über die nackte Erfahrung des Ausgeliefertseins den dornigen Weg, den wir alle gehen zu

haben. Mit seinem Lebenszeugnis ver-mag er uns Mut zu machen, dass die Ohnmacht der Lee-re, der Depression, des Schmerzes, des Verlustes und der Gottesferne al-lein durch Liebe überwunden werden kann. Wenn alle Stricke reißen – auch die des irdischen Lebens – bleibt er doch treu! Er selber ist das Licht, das in die Welt gekommen und in Liebe alle Widerstände überwunden hat.

Ich steh an deiner Krippe hier“,

vermag dann in der Leere kein Widerspruch mehr sein, ist “ER….. mir doch geboren und hat mich gar zu eigen sein, eh ich ihn kannt erkoren.“

Paul Gerhard verdichtet vor beinahe 300 Jahren seine Weih-Nacht und möge uns auch heute den Trost zusprechen, den wir so dringend zum Leben brauchen.

Liebe Pfarrgemeinde,

von Herzen sagen ich Ihnen und euch allen mein herzliches Vergelt´s Gott dafür, dass ihr gerade in den letzten, auch sehr schwierigen Monaten, mit viel Energie und Kraft unser Schifflein auf Kurs gehalten und mir dabei sehr viel Vertrauen und auch Liebe entgegengebracht habt. So wurden Sie und ihr – nicht nur für mich – zum Licht in den Dornen, zur unverbrüchlichen Hoffnung, dass es mit St. Bonifatius gut weiter gehen wird.

Ich wünsche Ihnen und all Ihren Lieben eine gnadenreiche Weihnacht und für 2019 einen treuen Hirten an eurer Seite,

Schalom,

Ihr und euer,

P. Clemens Schliermann SDB

Pfarradministrator