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Seelsorger

Pater Clemens Schliermann SDB

Geboren 1956 in Darmstadt, Bistum Mainz; aufgewachsen als „Sandwich“ im Kreis von 5 Geschwistern; der Vater war Lehrer – er hätte heuer seinen 100. gefeiert – unsere Mutter ist mit ihren stolzen 89 immer noch die gute Seele der Mischpoke (11 Nichten bzw. Neffen und 8 Großnichten/neffen); nach der mittleren Reife, Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei der Firma Wella, danach für 5 Jahre bei der Bundeswehr, 1981 Wechsel in die zivile Beamtenlaufbahn, um dann 1986 den scheinbar so sicheren Hafen zu verlassen und dem Ruf Jesu Christi zu den Salesianern Don Boscos zu folgen; 1987 Fachabitur im Bamberg; Eintritt ins Noviziat in Jünkerath/Eifel und 1988 Beginn der Diplomstudiengänge der Sozialarbeit und Theologie (Doppelstudium) in unserem „Kloster“ in Benediktbeuern; 1998 Priesterweihe, danach 10 Jahre als Leiter und Direktor im Kinder- und Jugendhilfezentrum in Pfaffendorf/Ufr.; ab 2009 Bestellung zum Provinzökonom der Deutschen Provinz der SDB in München. Von Sommer 2012 bis August 2017 Missionsprokurator in Bonn; bis Mitte April 2018 Einrichtungsleiter in Sannerz und Übergabe dieses Amtes an den neuen Einrichtungsleiter, den Sie vielleicht alle kennen, Patrick Will aus unserer Pfarrgemeinde.

Ab August 2018 bin ich der „Neue“ in Ihrer Pfarrei und freue mich sehr auf die Begegnung mit Ihnen.
Ich gehöre seit 1988 der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos (SDB) an, also jener Kongregation, die sich seit über 150 Jahren weltweit um benachteiligte Kinder und Jugendliche kümmert und deren Gründer vor mehr als 200 Jahren geboren wurde. Im August 2017 übernahm ich als Einrichtungsleiter das Jugendhilfezentrum Don Bosco in Sannerz. Hier fördern wir ganz im Sinne des Heiligen Johannes Boscos mit 5 Salesianern und 80 Mitarbeiter*innen über 80 Kinder und Jugendlichen in der schulischen und beruflichen Bildung.
„Fröhlich sein, gutes Tun und die Spatzen pfeifen lassen“, dass war die lebenszugewandte und grundoptimistische Grundhaltung Giovanni Boscos, der in den Kleinen und Schwachen Christus erkannte und die Jungen und Mädchen, gleich der Weisung unseres Herrn, in die Mitte seines Handelns und Fürsorgens stellte. Dem Auftrag unseres Heiligen Gründers gemäß, versuchen wir 14.500 Salesianer, die 7000 Don Bosco Schwestern und hundertausende Mitarbeiter/innen Tag täglich die Not zu mildern und den uns Anvertrauten ihre Würde als Menschen zurück zu geben und sie zur Teilhabe am Leben in ihren Herkunftsländern zu befähigen.

Pfr. Dr. Lech Kowalewski

Seit dem 1. August 2000 ist Pfarrer Lech Kowalewski nun der neue Pfarrer von St. Bonifatius, Schlüchtern. Der polnische Seelsorger wurde am 19. Januar 1963 in Kolno in Nord-Ost-Polen, 31 km von seiner Bischofsstadt Lomza entfernt, geboren. Er stammt aus einer polnischen Großfamilie und ist der Jüngste von sechs Geschwistern. Nach Grundschule und Gymnasium in seiner Heimatstadt studierte er erfolgreich drei Jahre Lebensmitteltechnologie an der Landwirtschaftlich- Technischen Akademie in Olsztyn/Allenstein. Im Jahre 1984 gab Pfarrer Kowalewski, der im Schatten des Kirchturmes und in einer tiefgläubigen Familie großgeworden ist, sein Studium auf und folgte seinem älteren Bruder Przemyslaw in das Bischöfliche Priesterseminar in Lomza. In den folgenden zwei Jahren seines Aufenthaltes im Priesterseminar absolvierte er sechs Semester seines Theologiestudiums. Am 27. Oktober 1986 kam er auf die Einladung des Erzbischofs Johannes Dyba nach Fulda, um an der Theologischen Fakultät sein Theologiestudium fortzusetzen. Nach dem am 17. Februar 1989 abgeschlossenen Studium leistete Diakon Kowalewski vom vierten Fastensonntag bis zum Pfingstmontag sein Diakonatspraktikum in der Pfarrei St. Pius in Fulda. Am 27. Mai 1989 wurde er in seiner Bischofsstadt oma von seinem Ortsbischof Juliusz Paetz zum Priester geweiht. Zum 7. Juli 1989 übertrug ihm der Generalvikar Lang die Kaplansstelle in der Pfarrei St. Jakobus in Hünfeld. Am 29. Oktober 1991 gleichzeitige Exkardination aus dem Bistum Lomza und Inkardination in das Bistum Fulda. Am 23. April 1992 wurde Kaplan Kowalewski zum Pfarradministrator der dortigen Pfarrei ernannt, nachdem der zuständige Pfarrer Oscar Schmalbauch starb. Er erfüllte diese Aufgabe bis zum 1. Oktober 1992. Herr Weihbischof Johannes Kapp übertrug Kaplan Kowalewski am 1. September 1993 die Pfarrerstelle in Großenlüder und ernannte ihn zum Pfarrer der dortigen Pfarrei St. Georg. Nach siebenjähriger Tätigkeit in Großenlüder übertrug ihm der Erzbischof Johannes Dyba die Pfarrei St. Bonifatius in Schlüchtern. Am 25. September 1997 begann Pfarrer Kowalewski seine weiteren theologischen Studien im Fach der Theologie der Spiritualität am Institut des Inneren Lebens der Päpstlichen Theologischen Fakultät in Warschau. Nach dem abgeschlossenen ersten Studienjahr setzte er das weitere Studium im gleichen Fach an der Katholischen Theologischen Akademie in Warschau fort. Am 01. Juni 1999 beendete er das Studium mit dem Lizenziatdiplom. Vom 01. Oktober 1999 bis zum 13. Juni 2000 absolvierte er seinen Doktorantenkurs an der Theologischen Fakultät der Kardina Stefan Wyszynski Universität in Warschau und widmete sich neben seiner pastoralen und seelsorgerischen Arbeit in seiner Pfarrei dem Schreiben seiner Disertationsarbeit zum Thema: »Die mystische Vereinigung nach dem Johannes van Ruysbroeck«. Am 14. Januar 2004 verteidigte er erfolgreich vor der Fakultätskommission und dem versammelten öffentlichen Publikum seine Doktorarbeit und erwarb den Titel “Doktor Theologie” mit der Note “summa cum laude”.

“Am 19.07.2018 wegen der zölibatäre Lebensform, die er nicht mehr weiterführen möchte aus dem priesterlichen Dienst unserer Kirche ausgeschieden…
[Zitat: Christof Steinert Personalreferent, Bischöfliches Generalvikariat Fulda]

Oberstudienrat

Bruno Leuschner

Mancher Pfarrer der Gemeinde St. Bonifatius ging, er blieb: Der Geistliche Bruno Leuschner, der als Oberstudienrat am Ulrich- von- Hutten Gymnasium unterrichtete. Von Oktober 1948 bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand wirkte er als katholischer Religionslehrer und unterrichtete daneben Latein und Philosophie. Im Religionsunterricht vermittelte er den Schülern die Dinge des katholischen Glaubens auf fundamentaler theologischer Basis. Hier, wie in der Öffentlichkeit wirkte er als Christ, der sich ständig mit den Fragen der Religion und der Kirche auseinandersetzte und zwar in wissenschaftlicher Gründlichkeit und breit angelegt. Bei Predigten hat er Kirchenbesucher manchmal schon geschockt, aber immer den Weg zu einem guten Christsein aufgezeigt. Bruno Leuschner ein Mensch, der aus dem Glauben heraus lebte, in bescheidener Zurückhaltung Güte ausstrahlte und Beispiel gab. Für jedermann war er gesprächsbereit, machte auch viele Krankenbesuche, setzte sich für die Ökumene ein. Bruno Leuschner stammte aus Niederschlesien, wurde am 7. August 1938 zum Priester geweiht, war in Breslau als Kaplan tätig, wurde 1941 zur Marine eingezogen und konnte nach dem zweiten Weltkrieg nicht mehr in seine Heimat im Osten zurück. Leuschner verstarb am 22. April 1999 in Schlüchtern.

Pfr. Sebastian Schmidt

In der Vakanzzeit vom 10.01.2000 bis zum 01.08.2000 übernahm Pfarrer Sebastian Schmdt aus Herolz die Pflichten des Pfarradministrators der Pfarrei St. Bonifatius.

Pfr. Hermann Röder

»Mit Familienvater verglichen« lautete die Überschrift des Zeitungsberichts über das silberne Priesterjubiläums von Pfarrer Hermann Röder, dem damaligen Seelsorger der Pfarrei St. Bonifatius. Das war im April 1983. Damals bezeichnete Pfarrgemeinderatssprecher Ludwig Drottboom die Pfarrgemeinde als große Familie, deren Familienvater der Pfarrer sei. Und wie es in jeder Familie nicht nur brave Kinder gebe, so sei es auch bei St. Bonifatius. Hier hatte nun Pfarrer Röder seine Aufgabe, die nicht immer leicht war. Bei Pfarrer Röders Einführung im Mai 1974 war in der »Kinzig- Zeitung« unter anderem zu lesen: “Der neue Schlüchterner Pfarrer stammt aus der kleinen katholischen Gemeinde Schwarzbach (jetzt politisch zu Hofbieber gehörend) im Kreis Fulda. 1944 kam er in das Domgymnasium und wohnte im Bischöflichen Konvikt. Dieses wurde bei einem Bombenangriff zerstört, und Hermann Röder lag mit unter den Trümmern. Er gehörte zu den wenigen Überlebenden. Als im Sommer 1945 der Schulbetrieb weiterging, war Hermann Röder wieder mit dabei. Dem Abitur im Jahr 1952 folgte das Studium im Fuldaer Priesterseminar. Zum Priester geweiht wurde Röder 1958, kurz vor Ostern. Drei Jahre war er in seiner ersten Kaplanstelle: Naumburg bei Kassel. Hier maßte er besonders die umliegenden Diasporaorte betreuen und die Psychiatrische Anstalt Merxhausen. Weitere drei Jahre war er in Somborn und schließlich in Stadt Allendorf. Seit Herbst 1966 war Röder dann als Pfarrkurat in Gensungen tätig, bis ihm Bischof Adolf Bolte einen Tag vor seinem plötzlichen Tod zum 1. Mai 1974 die Pfarrei St. Bonifatius in Schlüchtern übertrug. 26 Jahre hat Pfarrer Röder in Schlüchtern als Seelsorger und Hirte gewirkt”.
26 Jahre, die für Ihn sicherlich keine ruhigen und einfachen Jahre waren, allein die Gebäude mussten permanent in Schuss gehalten werden. Schon sein Einzug in Schlüchtern war gleich mit der Renovierung des Pfarrhauses verbunden. Es folgte bald, Mitte der 80er Jahr die Total-Sanierung des Pfarrheimes. Auch die Glocken, die seit 1989 wieder zur Ehre Gottes über Schlüchtern läuten sind sein Werk und werden noch viele Generation an diesen Geistlichen erinnern. Währen seiner 26-jährigen Wirkungszeit in Schlüchtern hat Pfarrer Röder vor allem am Aufbau der Pfarrgemeinde St. Bonifatius gewirkt, da diese Pfarrei erst seit 75 Jahren selbständige Pfarrei ist und über 1/3 dieser Zeit hat er hier als Seelsorger gearbeitet. Dies war sicherlich nicht einfach, denn Pfarrer Röder kam in eine Pfarrei, wo es Menschen aus vielen Teilen Deutschlands, ja ganz Europas hier nach Schlüchtern zusammengewürfelt hatte. Es gab keine gewachsenen Traditionen. Pfarrer Röder hat ständig daran gearbeitet, dass aus dieser bunten Mischung eine ganz neue Gemeinde entstanden ist. Er hat die Menschen in dieser Pfarrei so geführt, dass er für die verschiedenen Aufgaben immer wieder Menschen gefunden und ihnen dann den Freiraum zur Gestaltung gegeben hat. Im seelsorgerischen Bereich verstand es Pfarrer Röder besonders, den Kindern die Grundlagen christlichen Lebens zu erschließen. Viel hörte man über seine seelischen Wohltaten bei Krankenhausbesuchen, wobei er nicht nach der Konfession fragte. In den 26 Jahren seiner Tätigkeit ist in Schlüchtern eine Generation herangewachsen, für die Schlüchtern ihre Heimatgemeinde war und Pfarrer Röder hat diese Generation und diese Pfarrgemeinde als Pfarrer während dieser Jahre maßgeblich mitgeprägt. Bis zum 10. Januar des Jahres 2000 war Hermann Röder Seelsorger in der Pfarrei St. Bonifatius Schlüchtern und wurde in den Ruhestand versetzt.


Im 84. Lebensjahr und im 57. Jahr seines Priestertums ist er am 12. Dezember 2014 in Fulda gestorben und ruht auf dem Friedhof in Hofbieber-Schwarzbach.

Pfr. Josef Liebermann

Sein Vorgänger habe die Kirche gebaut und er habe die Schulden bezahlt. Diese Aussage wurde einmal über Pfarrer Josef Liebermann gemacht, der von November 1969 bis Ende April 1974 in der Pfarrei St. Bonifatius wirkte. Das ist natürlich sehr wenig über einen Seelsorger ausgedrückt. Einiges mehr sagte Oberstudienrat Bruno Leuschner bei der Verabschiedung des Pfarrers:
»Als Liebermann nach Schlüchtern gekommen sei, habe es in der Kirchengemeinde Verstimmungen und Spannungen gegeben, die das Gemeindeleben gestört hätten. Dem neuen Pfarrer sei es gelungen, entscheidend mitzuhelfen, dass sich die innere Situation der Pfarrei entspannt hätte«.

Er gehörte dem Orden der Prämonstratenser an und ging
1974 zurück in sein Kloster Schloss Cappenberg, in der Nähe von Dortmund, wo er wenige Jahre später verstarb.

Pfr. Bruno Klute

Es war wohl die größte Sorge seines bisherigen priesterlichen Lebens, die Bruno Klute mit dem Bau einer neuen, katholischen Kirche in Schlüchtern, dem Rufe seines Bischofs folgend, vor drei Jahren übernommen hatte. Aber freudig und zielbewusst setzte sich der Seelsorger für dieses große Vorhaben ein. So entstand es am 1. August 1964, einen Tag vor der Einweihung der St.Bonifatius- Kirche in der »Kinzig- Zeitung«. Klute war damals noch Pfarrkurat, doch wurde am 26. April 1965 St. Bonifatius zu Pfarrei erhoben und er mithin zum Pfarrer. Von 1960 bis 1969 wirkte er in Schlüchtern. Zu einer Nachfeier seines silbernen Priesterjubiläums kam Pfarrer Klute 1975 in seine 1. Gemeinde. Dabei sagte Pfarrgemeinderatssprecher Ludwig Drottboom, Pfarrer Klute sei in Schlüchtern der »Baupfarrer« gewesen. Gerade deshalb habe er viel Mühen und Sorgen gehabt. Außerdem habe er sich mit großem Einsatz und vielen Opfern der Seelsorge gewidmet. Und bei allem habe er ein Mensch unter Menschen sein wollen. Klute stammte aus Oberbimbach im Kreis Fulda und wurde im Jahre 1917 geboren. Erst 1951 erfolgte in Fulda die Priesterweihe. Als Kaplan war er in St. Sturmius Fulda, Flieden und Bad Hersfeld tätig. Ehe er nach Schlüchtern kam war er von 1957 ab Pfarrkuratus in Sterzhausen. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er im Oktober 1969 in den Ruhestand versetzt. 1972 übernahm er jedoch noch die katholische Kirchengemeinde Uttrichshausen, die er als Pfarrer bis zu seinem Tode am zweiten Adventssonntag 1983 führte.

Pfr. Hermann Goeb

Wenn auch noch keine neue katholische Kirche in der Zeit seiner Seelsorge in der Bergwinkelstadt gebaut werden konnte, so wissen wir doch aus manchem Gespräch, dass dieses größte Bauanliegen dem nunmehr von hier scheidenden Pfarrer sehr am Herzen gelegen hat. Es liegen bereits mehrere Entwürfe hierzu vor. Mit diesen Sätzen, geschrieben in dem Zeitungsbericht über seine Verabschiedung im November 1960 ist auch Pfarrer Hermann Goeb eingeschlossen in die Reihe der Priester, die mit dem Gotteshaus zu tun haben, dessen 25jähriges Jubiläum es zu feiern gilt. Doch lesen wir weitere Worte, die 1960 geschrieben wurden: In den sechs Jahren seiner priesterlichen Tätigkeit in Schlüchtern hat er zum Wohl und Heil der ihm anvertrauten Seelen gearbeitet. Durch seine Initiative und Aktivität, die von Anfang der Verschönerung der Kirche, aber auch der Sorge um die Jugend galt, entstand das schöne neuzeitliche Pfarrjugendheim, das erst im vorigen Monat eingeweiht wurde.
Eine Zeitungsüberschrift, die seine Persönlichkeit charakterisierte, lautete damals: »Bescheidenheit wirkt Vertrauen«. Hermann Goeb wurde 1907 in Fulda geboren und empfing im Jahre 1938 in seiner Heimatstadt die Priesterweihe. Dann war er als Kaplan in Bad Salzschlirf und Dernbach in der Rhön tätig. 1942 wurde er in die Pfarrei St. Marien in Kassel berufen. Nach seinem Wirken in Schlüchtern wurde er Pfarrer von Lahrbach in der Rhön und hatte als solcher auch die Stadt Tann mit zu versorgen. Über zwei Jahrzehnte war er Dechant des Dekanats Hilders. Goeb starb am 16. Dezember 1988 in Lahrbach.

Pfr. Alfons Maria Lins

Domine Deus in simplicitate cordis mei laetus obtuli universa! (Mein Gott, in der Einfachheit meines Herzens habe ich froh alles dargebracht!)

Alfons Maria Lins wurde am 6. Dezember 1888 in Wachstedt/ Eichsfeld geboren. Am 1. Juni 1912 erhielt er seine Priesterweihe in Fulda. Seine Kaplansjahre verbrachte er in Bad Orb, Frankfurt-Bockenheim, als Konviktsassistent in Fulda und als Hausgeistlicher im Herz-Jesu-Heim in Fulda. Von 1925 bis 1931 betreute er als Kuratus die Diasporagemeinde in Schlüchtern und war für die „Normannsteiner” geistiger Mentor. Das war eine Erneuerungsbewegung der kirchlichen Jugend, die sich 1924 vom „Bund Neudeutschland“ löste, dessen Mitbegründer er ebenso war. Als „Linskaplan” wurde er in ganz Deutschland bekannt. Er verfaßte mehrere Schriften, die im Verlag Hermann Rauch in Wiesbaden und bei Butzon & Berker in Kevelaer erschienen. 1931 wurde er Pfarrer in Bad Orb. Das blieb er 31 Jahre lang bis 1962, bis er die Last des Alters immer mehr spürte. Sein Nachfolger wurde nach langen Fuldaer Entscheidungsnöten Kaplan Johannes Kapp.
Bei der großen Renovierung der altehrwürdigen St. Martinskirche 1935-38 brachte er die Gotik zur Geltung, die er für eine angemessenere Kontemplationsform hielt. Das berühmte Orber Altarbild (um 1450) stand nun im Chor über dem Hauptaltar. Umso beachtlicher wird man dieses Projekt halten, wenn man an die stürmischen Zeiten des Nazi-Regimes denkt. 1950 wagte er die Anschaffung von Kopien der Seitenflügel des Altarbildes aus Berlin, um die Bildwirkung zu komplettieren. 1953/54 entstand in Lettgenbrunn eine kleine Simultankirche beider Konfessionen mit gemeinsamem Glockenturm. Hier siedelten Flüchtlinge und Vertriebene zum Wiederaufbau des ehemaligen Bombenzielgeländes Lettgenbrunn/Villbach. Hier zeigte sich Pfr. Lins wie selbstverständlich als Ökumeniker. Man weiß, daß er sogar evangelischen Pfarrhelfern Mitfahrgelegenheiten im Auto von Kaplan Schmalbauch anbot, denn motorisiert war damals fast niemand.
1958 initiierte er den ersten Umbau des Pfarrheimes.
Pfarrer Lins hatte sich bereits jahrelang mit Engagement um ein zweites Gotteshaus bemüht. Die Fertigstellung der St. Michaelskirche 1964 mußte er jüngeren Kräften überlassen. Die feierliche Grundsteinlegung nahm er als letzte Amtshandlung noch selbst vor. Am 1. Juni 1962 konnte er sein Goldenes Priesterjubiläum feiern. Er war den Neuerungen des Zweiten Vatikanum sehr zugetan (Deutsch als Liturgiesprache). Nun spürte er wieder seinen „Normannsteiner”-Impuls und ließ ältere Meßdiener als Lektoren ausbilden, den gotischen Cherubinen gleich. Auch ich durfte dazu zählen. In diesem Kreise spürten wir seinen hehren Anspruch und auch seine stille Genugtuung. Er legte Wert auf eine verständliche Feier der Liturgie und die befreiende Wirkung des Evangeliums. Das 10-Uhr-Hochamt sonntags in der Martinskirche hielt nur er. Dort ließ er ältere Jungmänner ministrieren! Ebenso wirkte er auch in das politische Leben der Gemeinde hinein, um „Viri probati“ – religiös geprägte Mitglieder in die Gremien zu plazieren. Persönliche Ehrungen lehnte er strikt ab, er wollte nur ein „Knecht Gottes“ sein. Er lebte anspruchslos und half überall, materielle Not zu lindern.
Als 1958 die Markusprozession auf dem Rückweg auf der Höhe des Aufenauer Berges angelangt war, sprach er zum neuen Kaplan Kapp: „Sehen Sie, hier liegt das gelobte Land!“, um seine Liebe zur Stadt und den Orbern anzudeuten.
Dieses Foto zeigt ihn mit seinem Kaplan Werner Röhre im Pfarrhof. Hier hat er sein Meßdienervölkchen versammelt, unter ihnen die Brüder Franz und Philipp Heim, die später selbst Priester wurden (vordere Reihe). Es war die Zeit des Nationalsozialismus der späten 1930er Jahre. Hier mußte Flagge gezeigt werden gegen die totale Vereinnahmung der Jugendlichen in der „Hitlerjugend“! Das war seine „Grand armée“, die er sozusagen auch optisch als „Demo“ einsetzte.

Diese Auseinandersetzungen mit der NS-Herrschaft waren prägend für ihn. Diese verboten die Kirchenfahnen und zwangen die Fronleichnamsprozession indirekt zur Kursänderung durch Obertor und Kanalstaße. Unvorstellbar in den Hirnen der Nazis, daß auf dem „Adolf-Hitler-Platz“ (heutiger Salinenplatz) die Prozession eine Statio an einem Altar (gewohnheitsmäßig) einlegen sollte! Man möge es den fehlgeleiteten Orber Verantwortlichen nachsehen, waren sie doch nur botmäßige Handlanger des autoritären NS-Landrates Kausemann, der in die Geschicke Orbs hineinregierte und solches nicht duldete. Es war das Jahr 1939 zum Ausbruch des Krieges. Pfr. Lins sorgte vor und ließ Altäre am Obertor und Solplatz (vor der Spenglerei Mack) aufrichten und schmücken. Eigentlich war es eine geheime Information, daß die Nazis die Prozession am Marktplatz „sprengen“ wollten. Der damalige Ortspolizist Kauff erfuhr davon, und als heimlicher Vertrauter informierte er Lins. So erfuhr ich es von älteren Orbern. Belegt ist das nicht, aber wie so oft bei Informationen liegt darin „cum grano salis“, d.h. eine Spur von Wahrheit, außerdem eine nette, auch ehrenrettende Randnotiz.
Auch zur Lehrerschaft an der Volksschule war er in kritischer Distanz. Dort herrschte die öffentlich verordnete braune Ideologie (Völkisch, Blut- und Bodenkult). Die alte katholisch „verseuchte“ Lateinschule war verboten worden zugunsten eines höheren Zweiges an der Volksschule. Latein wurde als Fach verboten, die humanistische Tradition mit Füßen getreten. Perfiderweise sahen sich die NS-Ideologen im Antisemitismus einig mit Martin Luther, der im „Maßnahmenkatalog“ 1543 sogar ein Zerstören der Synagogen empfahl; das sicher auch als Affront gegen den Katholizismus. Pfr. A. Lins konnte nur durch Weiterempfehlen in fuldische Gefilde (Bischöfliches Konvikt, wo er anfangs als Assistent wirkte) seine Kadetten dem Wirkkreis der Nazis entziehen (Ein Fall ist sogar verbürgt).
Pfr. Lins war bereits in den 1930 Jahren kurz nach seiner Einsetzung als Stadtpfarrer 1931 im Schauspiel engagiert, wo er mit seinen kirchlichen Verbänden eine aktive örtliche Kulturszene aufbaute. Das waren keine Volkstümeleien sondern Inszenierungen namhafter Sujets, wie „Jedermann“ von Hofmannsthal, usw. Auch hier darf man nicht nur einen primären Bildungsimpuls für die Pfarrfamilie vermuten, sondern gerade auch ein Engagement in Opposition zur NS-Ideologie. Viele intellektuelle Theologen waren Gast im Orber Pfarrhaus (Prediger zu „Volksmissionen“ in der Fastenzeit), wobei man durchaus handfeste Obstruktion vermuten kann. Pfr. Lins konnte besonders talentiert subversiv sein: Das Aufmarschtransparent der „Arbeiter“ zum von den Nazis hochstilisierten „1. Mai“ 1934, ein Jahr nach dem „Ermächtigungsgesetz“ und dem beginnenden Totalitarismus der Nazis, zeigt zwar ein obligatorisches Hakenkreuz, darunter aber gleichgroß das Kolping-Emblem! Auch die erste Zeile zeigt die Gewichtung der Aussage: „Dem Herrgott für den Segen, dem Bauern für den Fleiß, sagen wir Orber Dank und Preis!“ Kein Wunder, daß das den Nazis nicht gefiel! (Dieses Foto entstand in der Bahnhofstraße und zeigt die Kolpingbrüder Richard Kleespies (r) und Heinrich Heim, meinen Vater).

Schlimm waren die Exzesse des braunen Pöbels an den Orber Juden, die Pfarrer Lins nicht verhindern konnte. Heute erleben wir hierzu eine lebendige Gedenkszene in Bad Orb (Stolpersteine, Gedenkmarsch, usw.) Als echter Hirte begleitete er die Gläubigen durch die grausame Zeit des zweiten Weltkrieges und versuchte Trost zu spenden, besonders dort, wo der Tod im Felde die Angehörigen verzweifeln ließ. Der Blutzoll der Heimatgemeinde Bad Orb war groß. Lins: „Viele Orber Frauen können keine Familie gründen!“ Nach dem Kriege, als es um die Eingliederung der Ausgebombten und Vertriebenen ging, war er maßgeblich karitativ tätig. Seine guten Kontakte zu den Amerikanern in Gelnhausen brachten viele „Care”-Pakete nach Bad Orb, Milchpulver für den Nachkriegskindersegen und auch Einladungen zu Weihnachtsfeiern in der US-Kaserne Gelnhausen mit Bescherung für viele Orber Kinder; dazu zählten auch die Kinder aus Lettgenbrunn, das zur Orber Pfarrgemeinde gehörte, wie auch die Kinder der Vertriebenen, die im Lager „Wegscheide“ sich vorübergehend aufhielten. Auch das ist ein Ausdruck gelebter Ökumene, da man nicht auf die Konfession schaute.
Und noch eine interessante Randnotiz: Um das Jahr 1948 kamen aus dem ostpreußischen Ermland vertriebene Katharinenschwestern nach Bad Orb. Pfarrer Lins bat sie, im Sanatorium Küppelsmühle die Pflege der Patienten zu übernehmen. Seit Anfang der 50er Jahre kamen dorthin auch Geistliche aus der DDR zur Kur. Sie belegten einen Freiplatz zu 4 Wochen, um die Ordensschwestern und Patienten seelsorglich zu betreuen. Einer davon war Bischof Otto Spülbeck aus Bautzen, der aus der Zeit der Jugendbewegung mit Pfarrer Lins gut befreundet war. Dieser Bischof nahm in den 60er Jahren eine Neu-Konsekrierung des Hochaltars der Martinskirche vor. Ich durfte als Meßdiener mitwirken und war „Adjutant” für den Bischofsstab. Kaplan Schmalbauch stellte zu diesem Anlass aus der Meßdienerschar eine Schola zusammen. Damals sangen wir zur Begrüßung des Bischofs den lateinischen Hymnus: O beatus Vir, cujus anima paradisum possidet! O glücklich der Mensch, dessen Seele (bereits) das Paradies besitzt!
Auch unser damaliger Bischof Adolf Bolte erhielt diesen Hymnus aus Anlaß eines Visitationsbesuchs. Ich glaube, beide fühlten sich sehr geschmeichelt! Von Pfarrer Lins stammt auch ein Ausspruch bezüglich der Martinskirche: „Sie ist eine durchbetete Kirche!“ Da hat er wohl Bezug genommen auf die Inbrunst der Gebete und Gesänge, denn Orb war immerhin die größte Kirchengemeinde im Bistum Fulda!
Auch nach dem Kriege 1945 nahm er sein Theaterfaible wieder wahr, das er in der NS-Zeit so erfolgreich praktizierte. Hier half ihm sein künstlerisch begabter Kaplan Oskar Schmalbauch, dessen Meriten ich bei dessen Biographie nachher erwähne.
Und noch eine wichtige Tatsache muß erwähnt werden:
Es ist der Kontakt zum Priester und Theologen Dr. Heinrich Kahlefeld. Man sollte wissen, daß diesen Mann vieles mit unserer Heimat Bad Orb verband. Hierher kam er regelmäßig zur Kur, hier lebten seine Eltern in den 1960er Jahren als Pfründner im Kurheim St. Elisabeth I, Kurparkstraße 1, (heute privatisiert, Gebäude gegenüber ehemaligem Rathaus). Der damalige Bischof Albert Stohr von Mainz war sein Gönner und Förderer, auch er ein regelmäßiger Kurgast im Haus, besonders an den tollen Tagen der Mainzer Fastnacht, wo es die Geistlichen zeitig nach Bad Orb trieb. Als Meßdiener in der Hauskapelle des besagten Kurheims konnte ich in dieser Zeit oft diese Personen erleben.
Im Tandem mit dem berühmten Theologen Romano Guardini stand er mit Alfons Maria Lins in regem Austausch. Lins war ebenso ein großer Literat – er schrieb mehrere Bücher für die Jugend, wie oben erwähnt – und Förderer in der Jugendpastoral. Pfarrer Lins konnte Dr. Kahlefeld regelmäßig als Vortragsredner für Glaubensseminare während der Adventszeit gewinnen („Volksmission“ zu Bad Orb). Dr. H. Kahlefeld war bahnbrechend in seinen liturgischen Vorstellungen und Arbeiten. Er gründete dazu viele Institute, leitete Seminare und Exerzitien, verfasste gar Melodien für seinen Psalter. Man schlage nur einmal das (ehemalige) katholische Gotteslob auf und findet zum Beispiel unter Nr. 449 eine Vertonung eines Credo von ihm. Der moderne Kirchenbau geht ebenso auf ihn als Visionär zurück (Altar in die Mitte des Volkes). Er prägte entscheidend die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils von 1965 in liturgischen Fragen. Er wirkte mit Romano Guardini als seelsorgerischer Leiter der Quickborn-Gemeinde auf Burg Rothenfels im Spessart. Man darf sagen, er war einer der großen geistlichen Lehrmeister unserer Zeit, dazu im Austausch mit Alfons Maria Lins ein großer Segen auch für Bad Orb! Am 4. Februar 1967, kurz vor Vollendung seines 79. Lebensjahres, starb Pfarrer Lins als „Knecht Gottes”, wie es auf seinem Sterbebild heißt. Im Turm „seiner” Martinskirche wurde er aufgebahrt. Seine Pfarrfamilie nahm am offenen Sarg Abschied von ihm. Es war ein kalter Tag, als er auf dem Bad Orber Friedhof, unterhalb der barocken Kreuzigungsgruppe, wo sich die Grabstätte der Orber Pfarrer befindet, bestattet wurde. Eine große Menschenmenge hielt am Grabe aus, auch als die Reihe der Nachrufe kein Ende nehmen wollte.
Das Bad Orber Pfarrzentrum, das Alfons-Lins-Haus, erinnert an eine überzeugende Priesterpersönlichkeit.

Foto: Grabstätte der Pfarrer der Kirchengemeinde Bad Orb unterhalb der historischen Kreuzigungsgruppe.

Quelle: H. Heim- Autor “Ehrentafel der Pfarrer, Kapläne und Ordensleute” Pfarrgemeinde St. Martin in Bad Orb