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Geschichte der neuen Kirche

Neue Kirche

Die Grundsteinlegung-
… neue Kirche

Am heutigen Weltmissionssonntag, dem 21. Oktober 1962, wurde dieser Grundstein zur Neuerrichtung der St. Bonifatiuskirche in Schlüchtern nach kirchlichem Ritus durch Dechant Johannes Goedecke gesegnet und für die Einfügung in das Fundament vorbereitet. Das alte 1904 erbaute Kirchlein war wegen Raumnot im September 1961 abgerissen worden. Nur mit Hilfe des Bonifatiusvereins in Paderborn, durch bedeutsame Zuschüsse des Bistums Fulda, nicht zuletzt im Vertrauen auf die schon beim Jugendheimbau bewiesene Opferfreudigkeit unserer Gemeinde und anderer Wohltäter der Diaspora konnte der Bau dieser Kirche in Auftrag gegeben werden. Die Pläne dieses Bauwerkes entwarf Architekt Josef Kühnel, Steinau. Die Ausführung liegt in den Händen der Baufirma Lorenz Jökel, Schlüchtern. Die ganze Kirche ruht auf Betonpfählen, die durch die Firma Frankipfahl, Düsseldorf, eingerammt wurden.
So ein Ausschnitt aus der Urkunde im Grundstein der Kirche. Wie danach in der Zeitung zu lesen war, betonte bei der Weihe des Grundsteins Dechant Goedeke, dass Christus der eigentliche Grundstein sei, auf dem alle Gläubigen der Gemeinde stehen müssten. Jeder von Ihnen müsse lebendiger Stein sein und keiner dürfe im Glauben abseits stehen. Pfarrer Bruno Klute, der vorher den Wortlaut der Urkunde verlesen hatte, stellte die St. Bonifatiuskirche auch noch unter den Schutz der Rosenkranzkönigin und des heiligen Joseph.

Die Urkunde wurde in einer Kassette in einen Sockel eingemauert, auf dem später der Taufstein errichtet wurde. Wenn die neue Kirche in die Höhe wachsen solle, müsse schon etwas vorhanden sein, und aus diesem Grunde seien Bausteine ausgegeben worden, die mit einem Mindestbetrag von zwei DM zu erwerben wären. Er hoffe, dass der Kirchenneubau noch vor Einbruch der Winterszeit unter Dach gebracht werden könne, erklärte Pfarrer Klute, der abschließend dem Ehepaar Hartmann, insbesondere Frau Hartmann, für die künstlerische Gestaltung des “Bausteins”, einer Karte mit dem Bildnis des Schutzpatrons St. Bonifatius, dankte.
Unter Assistenz von Studienrat Bruno Leuschner und Kaplan August Kämmerer nahm dann Dechant Goedeke die Weihe des Platzes, auf welchem das Kreuz zu stehen kommt, dem die Weihe und Versenkung des Grundsteins folgte vor.

Auf Stahlbetonpfählen

Nicht so reibungslos, wie man sich das gewünscht hatte, verlief die Verwirklichung der Pläne für die neue Kirche. Dementsprechend stand am 19. September 1962 in der “Kinzig-Zeitung” zu lesen:
Der äußerst schlechte Baugrund erschwerte die Bauarbeiten. 50 Stahlbetonpfähle mussten in den Boden gerammt werden, auf denen der Neubau errichtet wird. Allein zwölf Pfähle waren für den Turmgrund nötig. In einer Tiefe von 2 Metern erhielt das Fundament des alten Turmes ein “Korsett” aus Stahlbeton. Die Betonpfähle, die für das Hauptschiff eingebaut werden, haben ein Gewicht von 220 Tonnen zu tragen. Nach einer Bauzeit von zehn Wochen konnten jetzt die Fundierungsarbeiten abgeschlossen werden. Augenblicklich werden die Kanäle für die Warmluftheizung verlegt. Das Hauptschiff der Kirche wird, wie Architekt Kühnel sagte, 34 Meter lang und 14 Meter breit. Jedes Seitenschiff hat eine Breite von zwei Metern. 400 Gläubigen bietet die Kirche Platz, die Empore wird noch weitere 60 Sitzplätze aufnehmen. Nach der Entfernung des alten Turmhelmes wird der Kirchturm auf 29,5 Meter erhöht und erhält ein vierstimmiges Geläut. Das Innere der Kirche soll nach den Worten des Architekten äußerst schlicht und streng gehalten werden. Auf einer ein Meter breiten geschliffenen Schiefertafel wird in Lebensgröße der Schutzpatron der Kirche dargestellt. Die Tafel, die an der Kirche angebracht werden wird, zeigt den heiligen Bonifatius, der segnend seine Hand über die neue Kirche hält. Soweit der Zeitungsbericht. Das Vorhaben, eine Schiefertafel mit der Darstellung des heiligen Bonifatius an der Kirche anzubringen, wurde dann aber nicht verwirklicht. Auch wurde ein Entwurf für die Darstellung des Kirchenpatrons in Schmiedeeisen, in der Art der Kreuzwegstationen nicht realisiert. Stattdessen wurde eine Bonifatiusstatue erworben. Schon seit Jahren ging das Gespräch um die neue St. Bonifatius-Kirche. Auch wir Neubürger liebten die kleine rote Sandsteinkirche, die erst 1903 erbaut, 1904 eingeweiht und im Sept. 1961 vollständig abgerissen worden war. Sie bot uns Heimstatt, hier wurde das Opfer wie überall auf der Welt gefeiert. Von dem Kirchlein ist nichts geblieben als Bilder, zerbrochene Steine und Erinnerungen . Aber was eine Kirche in fast 60 Jahren ausströmt, das ist auch geblieben und wurde mit hineingetragen in das dreimal so große neue Gotteshaus. Als die Sandsteinkirche in Trümmern lag, konnten wir das Modell der neuen St. Bonifatius-Kirche im Jugendheim betrachten. Mit dem Neubau ging es nicht so glatt. Ausgeführte Bodenproben erbrachten die entmutigende Feststellung eines zu weichen Untergrundes für den geplanten 220 Tonnen schweren Neubau. Fast wäre die neue Kirche in die Nähe der Kreisberufsschule gekommen, aber nach wochenlangem Bangen und Verhandeln, konnte eine Düsseldorfer Firma die Gründung auf dem alten Kirchplatz vornehmen. Mit dem Kirchbau ging es nach der Grundierung flott vorwärts. Am 21. Oktober 1962 konnte Dechant Johannes Goedeke aus Bad Soden die Grundsteinlegung vornehmen. Die Urkunde für den Grundstein, 100 x 30 cm groß und handgeschrieben von Georg Sowade, wurde eingemauert.
Ein langer harter Winter, mit Dauerfrösten bis 30 Grad minus ließ weitere Bauarbeiten nicht zu. Erst nach Ostern 1963 summte die Betonmischmaschine. Aufregende Tage und Stunden waren für alle Beteiligten der Guss der Kirchendecke, 34 Meter lang und 14 Meter breit umspannt die schöne Decke den Kirchenraum ohne Stütze, bei zwölf Meter Höhe. Der Innenraum war mit einem Wald von Gerüsten und Verschalungen, dicken Stempeln und Verstrebungen in ein Labyrinth verwandelt. Am 20. Juni 1963, auf den Tag ein Jahr nach dem Baubeginn, es war ein Donnerstag, ratterte vom frühen Morgen an bis in die Nacht des Freitags ununterbrochen die große Betonmischmaschine, quitschte der Kran mit der schweren Last zur Decke, die in einem Stück gegossen wurde. Die Männer lösten einander in Schichtarbeit bei dieser schweren, verantwortungsvollen Arbeit ab. Nachts erleuchteten zuckende Scheinwerfer die Baustelle, schweigend standen Vorübergehende und sahen diesem Spiel der Technik zu, mit der Bitte im Herzen um guten Verlauf der schwierigen Arbeit. Dabei regnete es fast unaufhörlich in dieser Nacht. Etwas skeptisch, ob die teure Kirchendecke auch halten würde, sah man dem Abbau der Gerüste entgegen, aber die Decke hielt. Es war nicht Neugierde, die die Gläubigen nach dem Sonntagsgottesdienst allwöchentlich in den Kirchenneubau führte, vielmehr innere Anteilnahme und die Vorfreude, wie wohl alles werden würde. Die Kritik blieb nicht aus an der äußeren Form, die wohl platzmäßig bedingt ist, Kritik an der ungewöhnlichen Raumhöhe der Straßenmauerfront und dem Lichtband in der Stirnseite. Der heutige Festtag gibt Mut zu sagen, dass diese äußere Hülle, so wuchtig sie sich dem Beschauer von allen Seiten darbietet, im Innern einen Raum birgt, in dem es sich beten und meditieren lässt. Auch das bunte Lichtband um den Altarraum, ebenso die Gestaltung der hohen schmalen Fenster geben dem hellen hohen Raum sakrale Gestalt.
Was dem Beschauer des entstandenen Kirchenbaues nicht sichtbar ward, sind die Planungen, Gespräche, Reisen und Überlegungen, die der Innenausstattung dienten. Überrascht waren heute die Gläubigen und Gäste beim Betreten des Gotteshauses über seine eindrucksvolle schlichte Schönheit, das Sonnenfarbenspiel der Buntfenster an den hellen Wänden, das über den leicht gelblich warmen Stein des Altares hinhuscht und zur Ostwand mit dem Tabernakel in Kupfer führten. Der Blick wird von dem Ort gefangen, der dem lebendigen Gott zur Wohnstatt bereitet wurde und wird doch auch von der rechten Längsseite angezogen, der den Leidensweg des Herrn in schöner Drahtplastik trägt, zum verweilenden Betrachten einlädt. Links aber im Seitengang in der Mitte in kleinerer Nische mahnt der achteckige Taufstein aus dem gleichen Marmor wie den Altar an der Beginn des Christseins, daneben links und rechts Beichtstühle in der Wand eingebaut, die das Geheimnis des Sakramentes im Schweigen und Verzeihen und neuer Begnadigung bergen. In den Seitenwänden je sechs Apostelkreuze mit Messingschalen führen den Blick wieder zum Altarraum.
Wieder sucht das Auge den stillen Ort, wo heute erstmalig beim feierlichen Gottesdienst das “Ewige Licht” entzündet wurde, erstmalig die hohen schmiedeeisernen Leuchter Kerzenlicht trugen. In den Jahren des II. Vatikanischen Konzils wurde dieses Gotteshaus errichtet. Alle Opfer die gebracht wurden und noch gebracht werden müssen sind reich bezahlt, wenn die Gläubigen an dieser neuen Opferstätte die Begegnung mit Gott suchen und finden. Schon die beiden schweren, mit Kupferplatten beschlagenen Eingangstüren an der Süd- und Nordseite weisen hin auf den Urquell des Gotteswortes in den vier Evangelien. Ein Gebet aus Stein geformt nannte der Hochw. Herr Bischof das Gotteshaus, in dem eine Gemeinde wachsen solle, erfüllt mit heiliger Sorge um das Reich Gottes. Wie ein eherner lieber Gruß der Stadt und ihrer Menschen war das Geläut der evangelischen Kirchenglocken zum Beginn der feierlichen Weihehandlung der neuen St.Bonifatius-Kirche in Schlüchtern.

Das neue Haus Gottes

Der große Fest- und Freudentag ist gekommen. Am Sonntag wird Diözesanbischof Dr. Adolf Bolte die neue Sankt-Bonifatius-Kirche in Schlüchtern weihen. Rund drei Jahre nach dem Abbruch der ersten Bonifatiuskirche (4. September 1961) und knapp zwei Jahre nach der feierlichen Grundsteinlegung zum neuen Gotteshaus (21. Oktober 1962) auf dem alten, erweiterten Baugrund an der Weitzel-/Grimmstraße kann das großartige Kirchenbauwerk nun seiner Bestimmung übergeben werden. Besonders freudig und dankbar wird am Sonntag das “Gloria in excelsis Deo” der Gemeinde im hohen und weiten Gotteshaus erschallen. Die Zeit des Notstandes, der bescheidenen Unterkunft im Jugendheim ist vorbei. Christus hält Einzug in eine schöne, zeitgemäße Stätte; die 2000 katholischen Gläubigen der Bergwinkelstadt mit ihm. So schrieb am 1. August 1964 der Schlüchterner Journalist Hans Seifen, übrigens auch ein Mitglied der Pfarrei St. Bonifatius, in der “Kinzig-Zeitung”. Mit dieser Ankündigung der Einweihung des Gotteshauses verband er einen ausführlichen Bericht über das, was geschaffen worden war: “In einem zeitlosen Stil erbaut, wird die neue St.-Bonifatius-Kirche in ihrer eindrucksvollen Architektur, wie sie Architekt Josef Kühnel im Hinblick auf die Platzverhältnisse an einer Hauptverkehrsstraße für angemessen hielt, nicht unwesentlich zur Verschönerung des Stadtbildes beitragen. Als ein nicht zu übersehendes Mahnzeichen grüßt das Kreuz von dem 30 Meter hohen weißen Kirchturm herab, hoch über den Dächern und Zinnen der Stadt. Um 13 Meter überragt er den alten Turm, der sich, aufgestockt, unter der strahlend weißen Gewandung verbirgt. Dreimal größer als die im Herbst 1961 abgerissene alte Kirche ist die neue St. Bonifatius-Kirche. Ein feierliches Fluidum strahlt das Kirchenschiff aus. Den Gläubigen nimmt sofort die ganze, eindringliche Symbolik des kirchlichen Dreistufenaufbaues gefangen; von der Kommunionbank, welche den Abendmahlsaal vergegenwärtigt, vom Altar als der Opferstätte und Tabernakel als dem Ort, wo Christus dem Menschen in der Gestalt des Brotes in seiner ganzen Herrlichkeit begegnet.Gedämpftes Licht fällt durch die zwölf farbigen, hohen Fenster an den Hochseiten wie durch das große Rahmenfenster an der Altarseite, die noch ein Wandbild erhalten wird. Nicht wie in der alten Kirche nur 120, sondern 400 Sitzplätze werden im neuen Gotteshaus vorhanden sein. Allerdings werden zunächst noch die Bänke aus der früheren Kirche Verwendung finden müssen, ebenso wird an Stelle einer Orgel das Harmonium noch einige Zeit den Gesang der Gemeinde begleiten. Das Kirchbauprojekt ist für eine so finanzschwache Gemeinde zu kostspielig, als dass am Tage der Einweihung sofort alle Wünsche restlos erfüllt sein können. In dieser Woche wurden die letzten Arbeiten im Kirchinnern vollendet. Zum Taufstein an der linken Kirchenseite als Quelle des Lebens in Christus, der von den beiden Beichtstühlen als Sinnbilder der Lebenserneuerung mit Christus eingerahmt wird, ist das Altarfenster und der künstlerisch gestaltete Kreuzweg getreten. Die Orgelempore soll einmal von einem Kirchenchor (der der St.-Bonifatius-Gemeinde leider immer noch fehlt) besetzt werden. Dunkle Fliesen bedecken den Boden des 12 Meter hohen und 18 Meter breiten Kirchenschiffes”. … soweit Journalist, Seifert.

In der “Kinzigtal-Zeitung” war dann weiter zu lesen:
“Zu den Geldopfern, welche die St.Bonifatius-Gemeinde Schlüchtern und alle jene Gemeinden aufbrachten, die von Pfarrer Klute noch bis in die letzten Tage hinein persönlich darum angesprochen wurden, treten die Spenden für die Einrichtung der Kirche. So die Entwürfe für die künstlerische Innengestaltung der Kirche, die von Schwester M. Kroemer vom Missionshaus Neuenbeken bei Paderborn stamm Schwester Kroemer ist durch die Innengestaltung vieler Kirchen bekannt. Den Kreuzweg entwarf Frau Gretel Hartmann Großsachsen an der Bergstraße, ausgeführt wurde er von Bildhauer Josef Beck in Leutershausen. Bei einer kürzlich veranstalteten Ausstellung von Werken der Kirchenausstattung im Gedock-Heim in Mannheim fand dieser Kreuzweg stärkste Beachtung. Er ist eine Stiftung eines Klienten von Rechtsanwalt Hartmann, Mannheim, für die neue St.Bonifatius-Kirche in Schlüchtern. Seine Kosten belaufen sich etwa auf 5.000,– DM.

Eine weitere großzügige Stiftung machte der Kirche die Schlüchterner Firma Löffler-Goltz mit dem wertvollen Taufstein. Diese Firma führte auch die Blitzschutz- und Dachdeckerarbeiten aus. Weitere Stiftungen wollen noch die Volks- und Realschule Schlüchtern und die Kreissparkasse Schlüchtern der Kirche zuwenden. Davon sollen Leuchter und Altarkreuz finanziert werden. Die Kreisstadt stellte zum Neubau einen Betrag von 5.000,– DM zur Verfügung, auch die evangelische Kirchengemeinde Schlüchtern übermittelte eine Spende, wie Pfarrer Klute sagte. MdB Freiherr Knut von Kühlmann-Stumm stellte für Holzarbeiten Material im Werte von 3.000,– DM in Aussicht; es soll für die neuen Kirchenbänke Verwendung finden“.

Weihe der St.-Bonifatius-Kirche

Am Sonntag, 2. August 1964, konnte dann das neue Gotteshaus eingeweiht werden. Dabei wurde eine Urkunde folgenden Inhalts in den Altar mit eingemauert: Allen, die diese Urkunde lesen, sei kundgetan, dass ich, der unterzeichnete Dr. Adolf Bolte, Bischof von Fulda, im Jahre 1964 nach der Geburt Jesu Christi, am 2. August, den 11. Sonntag nach Pfingsten, diese neu errichtete Kirche in Schlüchtern konsekriert habe.
Zu dieser Zeit regierte Papst Paul VI. die Kirche Jesu Christi im 2. Jahre seines Pontifikates, Dr. Adolf Bolte war Bischof von Fulda im 6. Jahre seines Episkopates, Johannes Goedeke verwaltete als Dechant das Dekanat Salmünster und war Pfarrer in Bad Soden, Pfarrkurat Bruno Klute war Seelsorger in Schlüchtern. Zur selben Zeit war Dr. Heinrich Lübke Bundespräsident und Professor Dr. Ludwig Erhard Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Dr. Georg August Zinn war Ministerpräsident des Landes Hessen, Dr. Wolfgang Seibert Landrat des Kreises Schlächtern und Friedrich Langerwisch Bürgermeister in Schlüchtern. Die Kirche habe ich zu Ehren und auf den Titel des hl. Erzbischofs und Märtyrers Bonifatius des Apostels der Deutschen und Patrons der Diözese Fulda geweiht und in den Altar Reliquien der hl. Märtyrer Alexander, Faustinus und Bonifatius eingeschlossen. Allen hier anwesenden Christgläubigen gewähre ich einen vollkommenen Ablass und allen, die diese Kirche am Jahrestage der Kirchweihe besuchen, einen Ablass von 50 Tagen nach der in der katholischen Kirche bestehenden Gewohnheit.

Gegeben zu Schlüchtern, am 2. August 1964
          Adolf + Bischof von Fulda

Die Glocken

Aus alten Kirchenakten geht hervor, dass in der alten Kirche schon einmal drei Glocken läuteten,die im Jahre 1924 angeschafft wurden, gegossen bei einer Firma Otto in Hemelingen. Allerdings fielen die zwei größeren Glocken in den letzten Kriegsmonaten 1944/1945 dem großen Glockenraub zum Opfer, um aus dem Guss neue Waffen herzustellen. Nach dem Krieg bekam die Gemeinde jedoch die Glocken (beschädigt) zurück. Nur eine Glocke, die Marienglocke, hatte den Krieg heil überstanden. Da jedoch der Glockenstuhl im Turm auch Schaden erlitten hatte, wurde die Marienglocke im Turm aufbewahrt. Im Jahre 1989 (25jähriges Jubiläum des Kirchenneubaus) entschied unsere Kirchengemeinde darüber, neue Glocken anzuschaffen. Im Jahr 1990 war es dann soweit. Am 23.02.1990 war der Glockenguss von drei neuen Glocken in der Fa. Rincker (Sinn-Hessen) an dem viele unserer Gemeindemitglieder teilnahmen.

Die größte Glocke…

versehen wurde sie mit dem Schriftzug „Hl. Bonifatius – Segne die Christen in Hessen und Thüringen“. Auf der Rückseite das Gussjahr 1990. Sie hat den Schlagton fis‘-4, einen Durchmesser von 1,103 m und ein Gewicht von 793 kg.

Die zweite Glocke…

versehen ist mit dem Schriftzug „Hl. Martin – Selig, die Frieden stiften“. Gegossen wurde sie im 1990. Sie hat den Schlagton a‘-3, einen Durchmesser von 0,943 m und ein Gewicht von 510 kg.

Die dritte Glocke…

 (vorhandene Marienglocke)
hat den Schlagton h‘-3, einen Durchmesser von 0,810 m. Der Gewicht ist nicht bekannt. Sie ist versehen mit dem Schriftzug „Gegrüßest seist du Maria“, auf der Rückseite das Gussjahr 1926.

Die vierte Glocke…

trägt den Schriftzug „Hl. Elisabeth – Selig die Frieden stiften“ und das Gussjahr von 1990. Sie hat den Schlagton d‘‘-2, einen Durchmesser von 0,716 m und ist 230 kg schwer.

Der Altar

Ein aus Stein geformtes Gebet nannte bei der Einweihung Bischof Dr. Adolf Bolte die neue St.-Bonifatius-Kirche. Dem feierlichen Einzug in die neue Kirche war eine Begrüßungsansprache beim Empfang des Bischofs vor dem Jugendheim durch Pfarrkuratus Klute vorausgegangen. Die Vereine der Gemeinde hatten ihn mit ihren Fahnen bereits an der Stadtgrenze empfangen. Nach Besprengung der Kirchenmauern öffneten sich auf das rituelle Klopfen mit dem Bischofsstab die Pforten der Kirche. Der Bischof hielt mit der Geistlichkeit und dem gläubigen Volk feierlichen Einzug in das Gotteshaus. Höhepunkte der Weihe von Kirche und Altar waren die Beisetzung der Reliquien, die Einmauerung der Urkunde und die Konsekration des Altares. Feierlich erklang beim Levitenamt das Schubert’sche Sanctus und der 32. Psalm, gesungen vom Gremmels’schen Männerchor unter Leitung von Adolf Scholz; und jubelnd schallten die Gesänge des Fliedener Kirchenchores durch die weite Halle. Weihe und Messe gingen mit dem gemeinschaftlichen gesungenen “Tedeum” zu Ende.
In der “Kinzig-Zeitung” konnte man lesen: Nach der Einweihung der neuen katholischen Kirche in Schlüchtern trafen sich am Sonntag die Geistlichkeit und die Ehrengäste zu einem Mittagessen im Hof Reith. Was hier gesprochen wurde zeigt, dass die Kluft zwischen katholischen und evangelischen Christen kleiner geworden ist. Vor dem Essen dankte Pfarrkuratus Bruno Klute noch einmal allen, die sich an dem Kirchbau beteiligt hatten, besonders aber dem Fuldaer Bischof Dr. Adolf Bolte und dem Landrat Dr. Wolfgang Seibert. Seinem evangelischen Amtsbruder Pfarrer Happich, der in Vertretung von Dekan Gang erschienen war, dankte er dafür, dass in den vergangenen Jahren immer wieder evangelische Kirchen für den katholischen Gottesdienst hätten benutzt werden dürfen. Jetzt hätten die katholischen Christen ihre eigene große Kirche, aber trotzdem solle das entstandene Gemeinschaftsgefühl nicht verloren gehen.Klute dankte auch Landrat a. D. Dr. Walter Jansen und sprach die Hoffnung aus, dass er sich dafür einsetzen werde, dass in der neuen Kirche in zwei Jahren auch eine neue Orgel stehe. Der Pfarrkuratus vergaß auch nicht seinen Dank an die Künstlerinnern, Schwester Michaela Kroemer vom Missionshaus Neuenbeken bei Paderborn und Gretel Hartmann aus Großensachsen a. d. Bergstraße, sowie den Architekten Josef Kühnel auszusprechen.
Bischof Dr. Adolf Bolte dankte besonders dem Pfarrkuratus Bruno Klute, der sich nicht gescheut habe, vierzigmal für seine neue Kirche in der Diözese zu betteln. Zu dem großen Fest einer Kircheneinweihung könne er nicht mit leeren Händen kommen, und so habe er ein Geschenk in Form von 50.000,–DM mitgebracht.

Das Altarkreuz

Christus in der Herrlichkeit des Vaters

Am Christkönigsfest im Jahre 1965 wurde das Altarkreuz der Kirche eingeweiht. Am 3. November war in der “Kinzig-Zeitung” zu lesen:
“Das 2,60 m x 1,80 m große Altarkreuz, das von dem hochbetagten Gemeindemitglied Jakob Nix gestiftet wurde, zeigt im Gegensatz zu der sonst üblichen Kreuzesform nicht den am Kreuze hängenden, sondern vor dem Kreuz stehenden und die Arme weit ausbreitenden Christus, der in der Herrlichkeit des Vaters lebt und die Gläubigen daran zu erinnern scheint, zu ihm zu kommen, damit er sie erquicke. Das Kreuz ist eine Schöpfung von Schwester Michaele Kroemer aus dem Missionsorden der Schwestern vom kostbaren Blut in Neuenbeken/Westfalen, der gleichen Künstlerin im Ordensgewand, die auch die bunten Kirchenfenster, den kostbaren Taufstein und sonstige Teile, bei denen Mosaik Gestaltungselement ist, in der neuen Kirche entworfen und geschaffen hat. Das Altarkreuz ist in einen Eisenrahmen gefasst und mit Natursteinen und klassischem Kleinmosaik besetzt. Der Christus ist aus Beton und ebenfalls aus Kleinmosaik. Das Kleinmosaik enthält auserlesene Steine, zum Teil auch Halbedelsteine”.
Zum Muttertag des Jahres 1966 kam eine von Valerie Domes verfasste Meditation zum Altarkreuz (unten) heraus.

Die Altarkreuzmeditation

MEDITATION- zum Altarkreuz, in der Pfarrkirche St. Bonifatius Schlüchtern

In den 20 Jahren unseres Hierseins hat sich hier viel geändert. Viel Neues ist gewachsen rundum, aus gemauertem Stein und in gepflegten Gärten. Eines möchte ich herausheben aus all dem Neuen und in bescheidener Deutung vorstellen, das mitten in unserem Städtchen als dingliche und besinnliche Kostbarkeit zur Betrachtung einlädt. Es ist das NEUE WANDKREUZ in der katholischen St. Bonifatiuskirche hier, gestiftet von Herrn Jakob Nix zum Christkönigsfest 1965 und gearbeitet von den Schwestern des Missionshauses Altenbecken bei Paderborn, die auch die Kirchenfenster und anderen Mosaikarbeiten an den Altar- und Osterleuchtern gestaltet haben. Nicht in seiner Todesnot steht der Herr vor uns, sondern als der erhöhte Herr inmitten seiner Schöpfung. Gesteine unserer Erde in wunderbaren Farben sind symbolhaft zusammengefügt zu diesem Bildwerk, in dem Christus gleichsam seinen Einfluss hineinstrahlt über die ganze Welt, Himmel und Erde umfassend, bis in ihre Dunkelheiten und Schatten, hineinstrahlt mit seinem Licht, vom hellsten Blau bis zum tiefsten Schwarz.

Alles wird und ist von Ihm erfasst und alles zielt auf Ihn hin. Er kommt uns entgegen in majestätischer Herrlichkeit und doch in brüderlicher Liebe mit offenen Armen, als wollte Er uns herausholen aus all unserer Enge des Denkens und Handelns, aber Seine Füße gehen mit uns über diese Erde (Farbe der Steine), die uns geschenkt ist zum Lieben, dass wir an ihrem Fortschritt mitarbeiten, an ihrer Ordnung mithelfen, die Vollendung zu schaffen, da die Schöpfung nicht etwas Fertiges ist, sondern unser Tun, selbst im Kleinsten, ein Baustein wird zur Vollendung der Welt. Wir sind aufgefordert zur Mitarbeit am neuen Himmel, an der neuen Erde zur Verherrlichung des Herrn. Jede Arbeit ist ein Stück Ordnungsgeschichte im großen Weltgefüge und somit ein Teil an der Vollendung der Weltschöpfung. Das Antlitz des Herrn ist aber fast unkenntlich in erdfarbenem Gestein gesetzt. Er bleibt eben der verborgene Gott, obwohl Er uns immer nahe ist. Das sollen wir nicht vergessen in unserem Alltagsleben.

Welches Steinchen im Mosaik des Kreuzes sind wir selbst…?
Lassen wir uns durchglühen vom Licht des Herren oder sind wir der Erde ganz verwachsen oder stehen wir am Rande, weit weg von der Erfüllung. Aber ein Steinchen ist noch kein Mosaik, wir müssen die anderen miteinfügen in das Licht Christi, deshalb Mission, auch hier. Er ist nicht nur der Herr, Er ist auch der Priester, der ewige Hohepriester, der für uns opfert, nämlich sich selbst. Die Hohenpriester des Alten Bundes waren geschmückt mit kostbaren Edelsteinen. Die kostbaren, strahlenden Steine unseres Hohenpriesters, des Christus Jesus, sind seine Wunden. Unaufhörlich fließt aus ihnen, lodernd, leuchtend, das Hell. Sein heiliges Blut ist sein Königsmantel, sein Krönungsornat. Wir sollten uns davon entzünden lassen und mitleuchten, mitbrennen, so gut wie wir nur können – und so mitwirken mit Seiner Sendung. Ist Er nicht ein leuchtender, einladender Weg inmitten des grau-braun-schwarzen Einerlei und des Durcheinanders, erhellt von freundlichen Lichtpunkten – oder wie ein Pfeil, der auf unser Ich, unser Herz, unser ganzes Sein zielt… Lassen wir uns doch aufspießen, anziehen, führen. Dann wird sich das Leuchten ausbreiten, wir glühen auch hell und machen andere hell. Es ist notwendig.

– Valerie Domes, am Muttertag 8. Mai 1966

Orgel

Die Orgel

Orgel, eine kulturelle Bereicherung

“Was lange währt, wird endlich gut!”
Dieser Spruch kann auf die Orgel der St. Bonifatius Kirche bezogen werden. Schon bei der Einweihung des Gottesdhauses im August 1964 wurde bekannt, dass dank der Vermittlung durch Landrat a.d. Walter Jansen (MdL) der Hessische Kulutusminister Dr. Schütte einen Beitrag von 30.000,00 DM für die Anschaffung einer Orgel zugesagt hatte.
Am 15. September 1968 konnte das Instrument in einem festlichen Kirchenkonzert eingeweiht werden.

Geschaffen wurde die “Königin der Instrumente” durch den Orgelbauer Wolfgang Hey aus Sondheim v.d. Rhön, der dazu erklärte: “Das ist eine von den schönsten und größten Orgeln, wie wir bauen”. Der Orgelfachmann Gottfried Rehm aus Fulda schrieb in den “Buchenblättern”, eine Beilage der “Fuldaer Zeitung”: Die Orgel in der Schlüchterner katholischen Kirche zeigte klare, verhaltene Bauformen – entsprechend dem weiten und ruhigen Kirchenraum. Das Hauptwerk ist als Gehäusefeld oben in der Mitte des Prospektes angeordnet. In breiter Front stehen hier die Pfeifen des Prinzipalregisters. (Dahinter befinden sich noch weitere neuen Pfeifenreihen: das Hauptwerk besitzt also zehn Register.) Darunter sind die Pfeifenreihen des Schwellwerkes in einer einfachen rechteckigen Gehäuseöffnung sichtbar; davor sind Schwelljalousien aus Plexiglas zum An- und Abschwellen des Klanges. Rechts und links in den schmalen Seitenfenstern stehen die Pfeifen des Pedalwerkes: eine geschlossene und ruhige Bauform. Die “Kinzigtal-Nachrichten” schrieben am 22. Juli 1968, also zu einemZeitpunkt, in dem sich das Werk seiner Vollendung zuneigte:
Das imposante Bauwerk besitzt eine Höhe von acht Metern. Das Gehäuse besteht aus hellem Ahornholz, das die mächtigen Prospekt-Pfeifen aus silbrig glänznedem Zinn umschließt. Dieses wird dem Kirchenraum einen bemerkenswerten Akzent verleihen.
Nicht weniger als 1770 Pfefen müssen gesetzt werden. Stück für Stück werden sie eingeordnet, manchmal wieder herausgenommen und neu gesetzt, m sie der Raumakustik entsprechend zu intonieren. Dazu gehört schon ein Höchsmaß von Gewissenhaftigkeit, Geduld und fachmännischem Können!
Der Entwurf ihrer Klanggestalt, die sogenannte Disposition, wurde vom Organisten der Gemeinde, Herrn Ottmar Reck, gemacht. Selbstverständlich ist er einer derjenigen, die sich am meisten auf die Fertigstelung des Bauwerkes freute. Für ihn war dann die Zeit zu Ende, während er auf einem Harmonium die Gottesdienste musikalisch ausgestaltete.

… alte Kirche… Mittelalter