Seelsorger

  • Pfr. Hermann Goeb (1907- 1988)

Wenn auch noch keine neue katholische Kirche in der Zeit seiner Seelsorge in der Bergwinkelstadt gebaut werden konnte, so wissen wir doch aus manchem Gespräch, dass dieses größte Bauanliegen dem nunmehr von hier scheidenden Pfarrer sehr am Herzen gelegen hat. Es liegen bereits mehrere Entwürfe hierzu vor. Mit diesen Sätzen, geschrieben in dem Zeitungsbericht über seine Verabschiedung im November 1960 ist auch Pfarrer Hermann Goeb eingeschlossen in die Reihe der Priester, die mit dem Gotteshaus zu tun haben, dessen 25jähriges Jubiläum es zu feiern gilt. Doch lesen wir weitere Worte, die 1960 geschrieben wurden:  In den sechs Jahren seiner priesterlichen Tätigkeit in Schlüchtern hat er zum Wohl und Heil der ihm anvertrauten Seelen gearbeitet. Durch seine Initiative und Aktivität, die von Anfang der Verschönerung der Kirche, aber auch der Sorge um die Jugend galt, entstand das schöne neuzeitliche Pfarrjugendheim, das erst im vorigen Monat eingeweiht wurde.

Eine Zeitungsüberschrift, die seine Persönlichkeit charakterisierte, lautete damals: »Bescheidenheit wirkt Vertrauen«. Hermann Goeb wurde 1907 in Fulda geboren und empfing im Jahre 1938 in seiner Heimatstadt die Priesterweihe. Dann war er als Kaplan in Bad Salzschlirf und Dernbach in der Rhön tätig. 1942 wurde er in die Pfarrei St. Marien in Kassel berufen. Nach seinem Wirken in Schlüchtern wurde er Pfarrer von Lahrbach in der Rhön und hatte als solcher auch die Stadt Tann mit zu versorgen. Über zwei Jahrzehnte war er Dechant des Dekanats Hilders. Goeb starb am 16. Dezember 1988 in Lahrbach.

  • Pfr. Bruno Klute (1917- 1983)

Es war wohl die größte Sorge seines bisherigen priesterlichen Lebens, die Bruno Klute mit dem Bau einer neuen, katholischen Kirche in Schlüchtern, dem Rufe seines Bischofs folgend, vor drei Jahren übernommen hatte. Aber freudig und zielbewusst setzte sich der Seelsorger für dieses große Vorhaben ein. So entstand es am 1. August 1964, einen Tag vor der Einweihung der St.Bonifatius- Kirche in der »Kinzig- Zeitung«. Klute war damals noch Pfarrkurat, doch wurde am 26. April 1965 St. Bonifatius zu Pfarrei erhoben und er mithin zum Pfarrer. Von 1960 bis 1969 wirkte er in Schlüchtern. Zu einer Nachfeier seines silbernen Priesterjubiläums kam Pfarrer Klute 1975 in seine 1. Gemeinde. Dabei sagte Pfarrgemeinderatssprecher Ludwig Drottboom, Pfarrer Klute sei in Schlüchtern der »Baupfarrer« gewesen. Gerade deshalb habe er viel Mühen und Sorgen gehabt. Außerdem habe er sich mit großem Einsatz und vielen Opfern der Seelsorge gewidmet. Und bei allem habe er ein Mensch unter Menschen sein wollen. Klute stammte aus Oberbimbach im Kreis Fulda und wurde im Jahre 1917 geboren. Erst 1951 erfolgte in Fulda die Priesterweihe. Als Kaplan war er in St. Sturmius Fulda, Flieden und Bad Hersfeld tätig. Ehe er nach Schlüchtern kam war er von 1957 ab Pfarrkuratus in Sterzhausen. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er im Oktober 1969 in den Ruhestand versetzt. 1972 übernahm er jedoch noch die katholische Kirchengemeinde Uttrichshausen, die er als Pfarrer bis zu seinem Tode am zweiten Adventssonntag 1983 führte.

  • Pfr. Josef Liebermann

Sein Vorgänger habe die Kirche gebaut und er habe die Schulden bezahlt. Diese Aussage wurde einmal über Pfarrer Josef Liebermann gemacht, der von November 1969 bis Ende April 1974 in der Pfarrei St. Bonifatius wirkte. Das ist natürlich sehr wenig über einen Seelsorger ausgedrückt. Einiges mehr sagte Oberstudienrat Bruno Leuschner bei der Verabschiedung des Pfarrers: 

»Als Liebermann nach Schlüchtern gekommen sei, habe es in der Kirchengemeinde Verstimmungen und Spannungen gegeben, die das Gemeindeleben gestört hätten. Dem neuen Pfarrer sei es gelungen, entscheidend mitzuhelfen, dass sich die innere Situation der Pfarrei entspannt hätte«.



  • Pfr. Hermann Röder (gest. Dez. 2014) 

»Mit Familienvater verglichen« lautete die Überschrift des Zeitungsberichts über das silberne Priesterjubiläums von Pfarrer Hermann Röder, dem damaligen Seelsorger der Pfarrei St. Bonifatius. Das war im April 1983. Damals bezeichnete Pfarrgemeinderatssprecher Ludwig Drottboom die Pfarrgemeinde als große Familie, deren Familienvater der Pfarrer sei. Und wie es in jeder Familie nicht nur brave Kinder gebe, so sei es auch bei St. Bonifatius. Hier hatte nun Pfarrer Röder seine Aufgabe, die nicht immer leicht war. Bei Pfarrer Röders Einführung im Mai 1974 war in der »Kinzig- Zeitung« unter anderem zu lesen: "Der neue Schlüchterner Pfarrer stammt aus der kleinen katholischen Gemeinde Schwarzbach (jetzt politisch zu Hofbieber gehörend) im Kreis Fulda. 1944 kam er in das Domgymnasium und wohnte im Bischöflichen Konvikt. Dieses wurde bei einem Bombenangriff zerstört, und Hermann Röder lag mit unter den Trümmern. Er gehörte zu den wenigen Überlebenden. Als im Sommer 1945 der Schulbetrieb weiterging, war Hermann Röder wieder mit dabei. Dem Abitur im Jahr 1952 folgte das Studium im Fuldaer Priesterseminar. Zum Priester geweiht wurde Röder 1958, kurz vor Ostern. Drei Jahre war er in seiner ersten Kaplanstelle: Naumburg bei Kassel. Hier maßte er besonders die umliegenden Diasporaorte betreuen und die Psychiatrische Anstalt Merxhausen. Weitere drei Jahre war er in Somborn und schließlich in Stadt Allendorf. Seit Herbst 1966 war Röder dann als Pfarrkurat in Gensungen tätig, bis ihm Bischof Adolf Bolte einen Tag vor seinem plötzlichen Tod zum 1. Mai 1974 die Pfarrei St. Bonifatius in Schlüchtern übertrug. 26 Jahre hat Pfarrer Röder in Schlüchtern als Seelsorger und Hirte gewirkt". 

26 Jahre, die für Ihn sicherlich keine ruhigen und einfachen Jahre waren, allein die Gebäude mussten permanent in Schuss gehalten werden. Schon sein Einzug in Schlüchtern war gleich mit der Renovierung des Pfarrhauses verbunden. Es folgte bald, Mitte der 80er Jahr die Total-Sanierung des Pfarrheimes. Auch die Glocken, die seit 1989 wieder zur Ehre Gottes über Schlüchtern läuten sind sein Werk und werden noch viele Generation an diesen Geistlichen erinnern. Währen seiner 26-jährigen Wirkungszeit in Schlüchtern hat Pfarrer Röder vor allem am Aufbau der Pfarrgemeinde St. Bonifatius gewirkt, da diese Pfarrei erst seit 75 Jahren selbständige Pfarrei ist und über 1/3 dieser Zeit hat er hier als Seelsorger gearbeitet. Dies war sicherlich nicht einfach, denn Pfarrer Röder kam in eine Pfarrei, wo es Menschen aus vielen Teilen Deutschlands, ja ganz Europas hier nach Schlüchtern zusammengewürfelt hatte. Es gab keine gewachsenen Traditionen. Pfarrer Röder hat ständig daran gearbeitet, dass aus dieser bunten Mischung eine ganz neue Gemeinde entstanden ist. Er hat die Menschen in dieser Pfarrei so geführt, dass er für die verschiedenen Aufgaben immer wieder Menschen gefunden und ihnen dann den Freiraum zur Gestaltung gegeben hat. Im seelsorgerischen Bereich verstand es Pfarrer Röder besonders, den Kindern die Grundlagen christlichen Lebens zu erschließen. Viel hörte man über seine seelischen Wohltaten bei Krankenhausbesuchen, wobei er nicht nach der Konfession fragte. In den 26 Jahren seiner Tätigkeit ist in Schlüchtern eine Generation herangewachsen, für die Schlüchtern ihre Heimatgemeinde war und Pfarrer Röder hat diese Generation und diese Pfarrgemeinde als Pfarrer während dieser Jahre maßgeblich mitgeprägt. Bis zum 10. Januar des Jahres 2000 war Hermann Röder Seelsorger in der Pfarrei St. Bonifatius Schlüchtern und wurde in den Ruhestand versetzt.

  • Pfr. Sebastian Schmit

In der Vakanzzeit vom 10.01.2000 bis zum 01.08.2000 übernahm Pfarrer Sebastian Schmitt aus Herolz die Pflichten des Pfarradministrators der Pfarrei St. Bonifatius.

  • Oberstudienrat Bruno Leuschner (gest. 1999) 

Mancher Pfarrer der Gemeinde St. Bonifatius ging, er blieb: Der Geistliche Bruno Leuschner, der als Oberstudienrat am Ulrich- von- Hutten Gymnasium unterrichtete. Von Oktober 1948 bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand wirkte er als katholischer Religionslehrer und unterrichtete daneben Latein und Philosophie. Im Religionsunterricht vermittelte er den Schülern die Dinge des katholischen Glaubens auf fundamentaler theologischer Basis. Hier, wie in der Öffentlichkeit wirkte er als Christ, der sich ständig mit den Fragen der Religion und der Kirche auseinandersetzte und zwar in wissenschaftlicher Gründlichkeit und breit angelegt. Bei Predigten hat er Kirchenbesucher manchmal schon geschockt, aber immer den Weg zu einem guten Christsein aufgezeigt. Bruno Leuschner ein Mensch, der aus dem Glauben heraus lebte, in bescheidener Zurückhaltung Güte ausstrahlte und Beispiel gab. Für jedermann war er gesprächsbereit, machte auch viele Krankenbesuche, setzte sich für die Ökumene ein. Bruno Leuschner stammte aus Niederschlesien, wurde am 7. August 1938 zum Priester geweiht, war in Breslau als Kaplan tätig, wurde 1941 zur Marine eingezogen und konnte nach dem zweiten Weltkrieg nicht mehr in seine Heimat im Osten zurück. Leuschner verstarb am 22. April 1999 in Schlüchtern.

  • Pfr. Dr. Lech Kowalewski (1963-     )

Seit dem 1. August 2000 ist Pfarrer Lech Kowalewski nun der neue Pfarrer von St. Bonifatius, Schlüchtern. Der polnische Seelsorger wurde am 19. Januar 1963 in Kolno in Nord-Ost-Polen, 31 km von seiner Bischofsstadt Lomza entfernt, geboren. Er stammt aus einer polnischen Großfamilie und ist der Jüngste von sechs Geschwistern. Nach Grundschule und Gymnasium in seiner Heimatstadt studierte er erfolgreich drei Jahre Lebensmitteltechnologie an der Landwirtschaftlich- Technischen Akademie in Olsztyn/Allenstein. Im Jahre 1984 gab Pfarrer Kowalewski, der im Schatten des Kirchturmes und in einer tiefgläubigen Familie großgeworden ist, sein Studium auf und folgte seinem älteren Bruder Przemyslaw in das Bischöfliche Priesterseminar in Lomza. In den folgenden zwei Jahren seines Aufenthaltes im Priesterseminar absolvierte er sechs Semester seines Theologiestudiums. Am 27. Oktober 1986 kam er auf die Einladung des Erzbischofs Johannes Dyba nach Fulda, um an der Theologischen Fakultät sein Theologiestudium fortzusetzen. Nach dem am 17. Februar 1989 abgeschlossenen Studium leistete Diakon Kowalewski vom vierten Fastensonntag bis zum Pfingstmontag sein Diakonatspraktikum in der Pfarrei St. Pius in Fulda. Am 27. Mai 1989 wurde er in seiner Bischofsstadt oma von seinem Ortsbischof Juliusz Paetz zum Priester geweiht. Zum 7. Juli 1989 übertrug ihm der Generalvikar Lang die Kaplansstelle in der Pfarrei St. Jakobus in Hünfeld. Am 29. Oktober 1991 gleichzeitige Exkardination aus dem Bistum Lomza und Inkardination in das Bistum Fulda. Am 23. April 1992 wurde Kaplan Kowalewski zum Pfarradministrator der dortigen Pfarrei ernannt, nachdem der zuständige Pfarrer Oscar Schmalbauch starb. Er erfüllte diese Aufgabe bis zum 1. Oktober 1992. Herr Weihbischof Johannes Kapp übertrug Kaplan Kowalewski am 1. September 1993 die Pfarrerstelle in Großenlüder und ernannte ihn zum Pfarrer der dortigen Pfarrei St. Georg. Nach siebenjähriger Tätigkeit in Großenlüder übertrug ihm der Erzbischof Johannes Dyba die Pfarrei St. Bonifatius in Schlüchtern. Am 25. September 1997 begann Pfarrer Kowalewski seine weiteren theologischen Studien im Fach der Theologie der Spiritualität am Institut des Inneren Lebens der Päpstlichen Theologischen Fakultät in Warschau. Nach dem abgeschlossenen ersten Studienjahr setzte er das weitere Studium im gleichen Fach an der Katholischen Theologischen Akademie in Warschau fort. Am 01. Juni 1999 beendete er das Studium mit dem Lizenziatdiplom. Vom 01. Oktober 1999 bis zum 13. Juni 2000 absolvierte er seinen Doktorantenkurs an der Theologischen Fakultät der Kardina Stefan Wyszynski Universität in Warschau und widmete sich neben seiner pastoralen und seelsorgerischen Arbeit in seiner Pfarrei dem Schreiben seiner Disertationsarbeit zum Thema: »Die mystische Vereinigung nach dem Johannes van Ruysbroeck«. Am 14. Januar 2004 verteidigte er erfolgreich vor der Fakultätskommission und dem versammelten öffentlichen Publikum seine Doktorarbeit und erwarb den Titel "Doktor Theologie" mit der Note "summa cum laude".