Das Altarkreuz

Christus in der Herrlichkeit des Vaters

Am Christkönigsfest im Jahre 1965 wurde das Altarkreuz der Kirche eingeweiht. Am 3. November war in der "Kinzig-Zeitung" zu lesen:

"Das 2,60 m x 1,80 m große Altarkreuz, das von dem hochbetagten Gemeindemitglied Jakob Nix gestiftet wurde, zeigt im Gegensatz zu der sonst üblichen Kreuzesform nicht den am Kreuze hängenden, sondern vor dem Kreuz stehenden und die Arme weit ausbreitenden Christus, der in der Herrlichkeit des Vaters lebt und die Gläubigen daran zu erinnern scheint, zu ihm zu kommen, damit er sie erquicke. Das Kreuz ist eine Schöpfung von Schwester Michaele Kroemer aus dem Missionsorden der Schwestern vom kostbaren Blut in Neuenbeken/Westfalen, der gleichen Künstlerin im Ordensgewand, die auch die bunten Kirchenfenster, den kostbaren Taufstein und sonstige Teile, bei denen Mosaik Gestaltungselement ist, in der neuen Kirche entworfen und geschaffen hat. Das Altarkreuz ist in einen Eisenrahmen gefasst und mit Natursteinen und klassischem Kleinmosaik besetzt. Der Christus ist aus Beton und ebenfalls aus Kleinmosaik. Das Kleinmosaik enthält auserlesene Steine, zum Teil auch Halbedelsteine".

Zum Muttertag des Jahres 1966 kam eine von Valerie Domes verfasste Meditation zum Altarkreuz (unten) heraus.


Die Altarkreuzmeditation

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MEDITATION- zum Altarkreuz, in der Pfarrkirche St. Bonifatius Schlüchtern

In den 20 Jahren unseres Hierseins hat sich hier viel geändert. Viel Neues ist gewachsen rundum, aus gemauertem Stein und in gepflegten Gärten. Eines möchte ich herausheben aus all dem Neuen und in bescheidener Deutung vorstellen, das mitten in unserem Städtchen als dingliche und besinnliche Kostbarkeit zur Betrachtung einlädt. Es ist das NEUE WANDKREUZ in der katholischen St. Bonifatiuskirche hier, gestiftet von Herrn Jakob Nix zum Christkönigsfest 1965 und gearbeitet von den Schwestern des Missionshauses Altenbecken bei Paderborn, die auch die Kirchenfenster und anderen Mosaikarbeiten an den Altar- und Osterleuchtern gestaltet haben.
Nicht in seiner Todesnot steht der Herr vor uns, sondern als der erhöhte Herr inmitten seiner Schöpfung. Gesteine unserer Erde in wunderbaren Farben sind symbolhaft zusammengefügt zu diesem Bildwerk, in dem Christus gleichsam seinen Einfluss hineinstrahlt über die ganze Welt, Himmel und Erde umfassend, bis in ihre Dunkelheiten und Schatten, hineinstrahlt mit seinem Licht, vom hellsten Blau bis zum tiefsten Schwarz.
Alles wird und ist von Ihm erfasst und alles zielt auf Ihn hin. Er kommt uns entgegen in majestätischer Herrlichkeit und doch in brüderlicher Liebe mit offenen Armen, als wollte Er uns herausholen aus all unserer Enge des Denkens und Handelns, aber Seine Füße gehen mit uns über diese Erde (Farbe der Steine), die uns geschenkt ist zum Lieben, dass wir an ihrem Fortschritt mitarbeiten, an ihrer Ordnung mithelfen, die Vollendung zu schaffen, da die Schöpfung nicht etwas Fertiges ist, sondern unser Tun, selbst im Kleinsten, ein Baustein wird zur Vollendung der Welt. Wir sind aufgefordert zur Mitarbeit am neuen Himmel, an der neuen Erde zur Verherrlichung des Herrn. Jede Arbeit ist ein Stück Ordnungsgeschichte im großen Weltgefüge und somit ein Teil an der Vollendung der Weltschöpfung. Das Antlitz des Herrn ist aber fast unkenntlich in erdfarbenem Gestein gesetzt. Er bleibt eben der verborgene Gott, obwohl Er uns immer nahe ist. Das sollen wir nicht vergessen in unserem Alltagsleben.

Welches Steinchen im Mosaik des Kreuzes sind wir selbst...?
Lassen wir uns durchglühen vom Licht des Herren oder sind wir der Erde ganz verwachsen oder stehen wir am Rande, weit weg von der Erfüllung. Aber ein Steinchen ist noch kein Mosaik, wir müssen die anderen miteinfügen in das Licht Christi, deshalb Mission, auch hier. Er ist nicht nur der Herr, Er ist auch der Priester, der ewige Hohepriester, der für uns opfert, nämlich sich selbst. Die Hohenpriester des Alten Bundes waren geschmückt mit kostbaren Edelsteinen. Die kostbaren, strahlenden Steine unseres Hohenpriesters, des Christus Jesus, sind seine Wunden. Unaufhörlich fließt aus ihnen, lodernd, leuchtend, das Hell. Sein heiliges Blut ist sein Königsmantel, sein Krönungsornat. Wir sollten uns davon entzünden lassen und mitleuchten, mitbrennen, so gut wie wir nur können - und so mitwirken mit Seiner Sendung. Ist Er nicht ein leuchtender, einladender Weg inmitten des grau-braun-schwarzen Einerlei und des Durcheinanders, erhellt von freundlichen Lichtpunkten - oder wie ein Pfeil, der auf unser Ich, unser Herz, unser ganzes Sein zielt... Lassen wir uns doch aufspießen, anziehen, führen. Dann wird sich das Leuchten ausbreiten, wir glühen auch hell und machen andere hell. Es ist notwendig.

Valerie Domes, am Muttertag 8. Mai 1966